Das wohl bekannteste Amphitheater der römischen Antike steht natürlich in Rom: Das Kolosseum. Es ist aber bei Weitem nicht das einizige Amphitheater, das die Römer gebaut und hinterlassen haben.
Was ist ein Amphitheater?
Amphitheater (latein: amphitheatrum) ist die Bezeichnung für ein Rundtheater der römischen Antike. Die Arena konnte rund oder oval sein. Die Sitzreihen stiegen rundum die Arena an, damit alle Zuschauer eine gute Sicht auf die Arena hatten. Ein solches Amphitheater konnte ein geschlossenes Dach haben, das war aber normalerweise nicht der Fall. Gebräuchlich waren hingegen Sonnensegel, die bei heißem Wetter zum Einsatz kommen konnten. Solche gab es auch im Kolosseum.
Ursprünglich wurde der Begriff Amphitheater für alle Arenen verwendet, in denen Vorführungen vor Zuschauern stattfanden, so zum Beispiel auch für den Circus.
Später wurde das Amphitheater allerdings vor allem mit Gladiatorenkämpfen in Verbindung gebracht. Andere Veranstaltungen konnten zwar auch stattfinden, waren aber weniger wichtig.
In der englischen Sprache werden häufig auch Freilichtbühnen als Amphitheater bezeichnet. Das ist allerdings nicht korrekt. In verschiedenen Sprachen kann der Begriff ‚Amphitheater‘ unterschiedlich interpretiert werden.
Erste Amphitheater in Italien ab ca. 70 v. Chr.
Das wahrscheinlich erste Amphitheater der Welt entstand ca. 70 vor Christus in Pompeji. Zumindest das erste fest erbaute. Es soll in Rom auf dem Forum Romanum auch vorher schon hölzerne Theater gegeben haben, in denen Gladiatorenkämpfe stattfanden.
Amphitheater aus Stein, wie wir sie uns vorstellen und am Beispiel des Kolosseums besichtigen können, entstanden ab ca. 60-70 vor Christus. Das älteste, das bisher gefunden wurde, stand in Pompeji.
Architektur und Bauweise
Die Architektur und Bauweise der römischen Amphitheater waren stark von der griechischen Architektur beeinflusst, entwickelten sich jedoch zu einem einzigartigen Stil, der die römische Ingenieurskunst widerspiegelt. Typischerweise wurden die Amphitheater aus Stein oder Ziegelsteinen errichtet und hatten eine elliptische oder kreisförmige Form. Die Sitzreihen, auch als cavea bekannt, stiegen konzentrisch an und boten Platz für bis zu 50.000 Zuschauer (im Kolosseum. Andere Amphitheater waren deutlich kleiner). Diese Anordnung sorgte dafür, dass jeder Zuschauer eine gute Sicht auf die Arena hatte. Ein weiteres bemerkenswertes Merkmal war das velarium, ein großes Sonnensegel bzw. mehrere, das über die Arena gespannt wurde, um die Zuschauer vor der Sonne zu schützen. Diese durchdachte Bauweise machte die Amphitheater zu beeindruckenden Bauwerken, die bis heute bewundert werden.
Bekannte Amphitheater der römischen Antike
Bis heute wurden Überreste von mehr als 200 römischen Amphitheatern auf dem Gebiet des ehemligen Römischen Reichs gefunden. Es gibt also nicht DAS Amphitheater – obwohl der Name Kolosseum wirklich jedem einfällt – sondern unheimlich viele.
Kolosseum – das bekannteste Amphitheater
Natürlich. Und das mit den meisten Besuchern. Es steht in Rom und war das größte der römischen Amphitheater. Wir empfehlen unbedingt, Kolosseum Tickets recht weit im Voraus online zu buchen. Vor allem zu beliebten (Ferien-)Zeiten sind die Tickets oft auf Wochen ausgebucht. Geführte Touren dagegen sind auch in der Hauptsaison meist recht sontan möglich, zumindest mit wenigen Tagen Vorlauf. Besonders spannend: Die Untergrund Touren im Kolosseum.
El Djem – in Tunesien
Das drittgrößte Amphitheater der Römer liegt in Tunesien. Es gehört seit 1979 zum UNESCO Weltkulturerbe und bot zu aktiven Zeiten Platz für immerhin 35.000 Zuschauer. Gebaut wurde es ca. 238 n. Chr. Es ähnelt dem Kolosseum in Rom sehr, ist aber sogar noch besser umgesetzt als das Kolosseum in Rom.
Wer einmal in Tunesien Urlaub macht und sich für Amphitheater interessiert, sollte El Djem unbedingt besuchen. Im Vergleich zum Kolosseum hat es recht wenige Besucher, der Eintritt ist günstig und du kannst dir alles, inklusive Untergrund, mit dem gleichen Ticket anschauen. Aus den meisten Urlaubsorten in der Umgebung werden Ausflüge nach El Djem angeboten.
Capua – Italien
Eigentlich eines der größten Amphitheater der Römer, leider allerdings fast vollständig zerstört. Einige Reste sind noch heute sichtbar. Auch die unterrirdischen Gänge sind noch erhalten. Geführte Touren besichtigen häufig auch das Gladiatorenmuseum und den Tempel Santa Maria Capua Vetere.
Besonders interessant: Capua war der Geburtsort des Gladiatorenaufstandes mit Spartacus an der Spitze.
Verona – in Italien
Das Amphitheater in Verona ist eines der am besten erhaltenen Amphitheater und gehörte mit 20.00 – 30.000 Zuschauern (je nach Quelle) zu den größeren. Heute wird es regelmäßig für Opern und Konzerte genutzt. Besichtigungen und geführte Touren sind möglich.
Pula – Kroatien
Ebenfalls sehr gut erhalten ist das Amphitheater in Pula, das im 1. Jahrhundert n.Chr. entstand. Dieses Theater hatte 4 Türme mit Treppenhäusern, durch die die Zuschauer die oberen Ränge erreichen konnten.
Das Amphiteater von Pula wird auch heute noch für Konzerte und Festivals genutzt. Highlights: Das Pula Film Festival, bei dem auch der koratische Filmpreis „Goldene Arena“ verliehen wird. Außerdem gibt es in den Sommermonaten hier das „Spectacula Antiqua“ mit Gladiatoren und Künstlern, die die Besucher mit auf eine Zeitreise ins römische Reich nehmen. Die Arena ist aber auch regelmäßig Veranstaltungsort für Opern, Theater und Konzerte. Tickets für Konzerte finden sich meist bei eventim.
Du kannst das Amphiteater in Pula aber auch besichtigen, ohne Konzert oder ähnliches.
Pompeji – Italien. Das Älteste
Das älteste Theater der Römer hatte keine lange Geschichte. Erbaut ca. 70 vor Christus, wurde es 79 nach Christus beim Ausbruch des Vesuvs verschüttet. Ausgrabungen gab es erst ab dem 18. Jahrhundert. Das Amphitheater gehörte aber durchaus zu den großen seiner Zeit und bot bis zu 20.000 Zuschauern Platz. Mehr, als Pompeji damals Einwohner hatte. Zu Veranstaltungen waren auch die Nachbarstädte eingeladen.
In Pompeii werden z.B. zahlreiche spannende Führungen mit Archäologen angeboten.
Nîmes, Frankreich
Diese Arena ist sehr gut erhalten und wurde ab 1786 umfangreich rekonstruiert. Seit ca. 1853 ist die Außenfassade vollständig restauriert. Bis heute finden hier Stierkämpfe und Konzerte statt. Allerdings ist durch moderne Licht- und Sicherheitstechnik doch einiges an Authentizität verloren gegangen.
Das Amphitheater von Nîmes kann besichtigt werden. Tickets gibt’s online, allerdings ist die offizielle Website zumindest aktuell fast nur auf Französisch vervügbar.
Trier – Deutschland
Auch in Deutschland gab es zahlreiche, allerdings überwiegend kleinere, Amphitheater. Eines der bekanntesten ist die Arena in Trier. Erbaut gegen Ende des 2. Jahrhundert n.Chr. mit Platz für ca. 18.000 Zuschaer. Diese Arena wurde nicht freistehend gebaut, sondern in den Hang des Petrisbergs. Arena und Kellergeschoss können bis heute besichtigt werden.
Xanten – Deutschland
Das Amphitheater in Xanten bot Platz für rund 10.000 Zuschauer und ist heute teilrestauriert und kann besucht werden. Mittlerweile finden hier zahlreiche Veranstaltungen statt, von Konzerten bis hin zum Römerfest mit Gladiatorenspielen.
Deutschlands „größtes archäologisches Freilichtmuseum“ auf dem Geländer der früheren Stadt Colonia Ulpia Traiana in Xanten ist auf jeden Fall eine Reise wert.
Veranstaltungen und Events
Die römischen Amphitheater waren Schauplätze für eine Vielzahl von Veranstaltungen und Events, die das Leben der Bevölkerung bereicherten und die Macht der Herrschenden demonstrierten. Gladiatorenkämpfe waren wohl die bekanntesten Veranstaltungen, aber auch Tierkämpfe, Theateraufführungen und sportliche Wettkämpfe fanden hier statt. Diese Veranstaltungen hatten oft eine große Bedeutung für die römische Gesellschaft und dienten nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der politischen und sozialen Kontrolle. Die Machthaber nutzten die Amphitheater, um die Bevölkerung zu unterhalten und gleichzeitig ihre Macht zu festigen. Auch religiöse Zeremonien und politische Versammlungen fanden hier statt, was die Vielseitigkeit dieser Bauwerke unterstreicht.
Zuschauer und Publikum
Die Zuschauer in den römischen Amphitheatern waren eine bunte Mischung aus verschiedenen sozialen Klassen und Gruppen, die alle ihre eigenen Plätze und Vorlieben hatten. Die Sitzreihen waren oft nach sozialer Klasse und Geschlecht getrennt, wobei die besten Plätze den wohlhabenden Bürgern vorbehalten waren. Die Zuschauer waren auch in verschiedene Fraktionen unterteilt, die leidenschaftlich ihre Lieblingsgladiatoren oder Tierkämpfer anfeuerten. Diese Fraktionen trugen zur lebhaften und oft lauten Atmosphäre der Veranstaltungen bei. Die Amphitheater boten somit nicht nur Unterhaltung, sondern auch eine Bühne für soziale Interaktionen und Rivalitäten.
Sinn & Zweck der zahlreichen Veranstaltungen in Amphitheatern
Amphitheater wurden im gesamten römischen Reich eingesetzt, um das Volk zu unterhalten und die Stimmung gegenüber den Herrschenden positiv zu beeinflussen. Heute haben römische Amphitheater verschiedene Bedeutungen, darunter historische, kulturelle und architektonische Aspekte.
Eintrittspreise gab es damals nicht. Der Eintritt war für alle Bürger frei.
Amphitheater waren meist Schauplatz von Gladiatorenkämpfen, aber auch anderen Aufführungen. Theaterstücke mit aufwendigen Bühnenbildern und enorm fortschrittlicher Bühnentechnik, teils sogar mit nachgestellten Seeschlachten, waren kein Einzelfall.
Bedeutung der römischen Amphitheater heute
Heute sind die römischen Amphitheater wichtige historische Denkmäler und beliebte Touristenattraktionen, die Einblicke in die Architektur, Kultur und Gesellschaft des antiken Roms bieten. Sie sind auch bedeutende Orte für die Erforschung der römischen Geschichte und Archäologie. In vielen Städten, wie Trier und El Djem, sind die Amphitheater ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte und -identität. Sie symbolisieren die römische Kultur und Geschichte und ziehen jährlich Millionen von Besuchern an. Die Überreste dieser beeindruckenden Bauwerke erinnern uns an die Größe und den Einfluss des Römischen Reiches und sind ein wertvolles Erbe, das es zu bewahren gilt.